Dermatologische Praxis

Annette Graf

Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

Hautkrebs und Hautkrebsvorsorge

Unter dem Begriff Hautkrebs werden verschiedene bösartige (maligne) Erkrankungen der Haut zusammengefasst, die sich in Aussehen und Prognose beträchtlich unterscheiden. Die Häufigkeit von Hautkrebs hat in Deutschland in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen. Hautkrebs frühzeitig zu entdecken ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie. Hier erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Hautkrebs.

 

Arten von Hautkrebs

Weißer Hautkrebs

Jedes Jahr wird bei mehr als 195.000 Menschen in Deutschland Hautkrebs diagnostiziert. Der überwiegende Teil davon erkrankt am "weißen Hautkrebs“. Die dazu zählenden Tumorarten sind verhältnismäßig harmlos und bilden keine oder kaum Tochterabsiedelungen (Metastasen). Zum weißen Hautkrebs zählt man:

 

Basaliom

Basaliome (Basalzellkarzinome) gehören zu den häufigsten krebsartigen Neubildungen der Haut und finden sich meist an Körperarealen, die verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, d.h. im Gesicht, am Kopf, am Hals und an den Streckseiten der Hände und Unterarme. Basaliome werden als semi-maligne (semi = halb, maligne = bösartig) Hautgeschwülste bezeichnet, weil sie einerseits die Haut, aber auch unter der Haut gelegenes Gewebe wie Knorpel oder Knochen durchwachsen und zerstören können, andererseits aber niemals Tochtergeschwülste (Metastasen) ausbilden. Basaliome lassen sich deshalb fast immer erfolgreich beseitigen. Die Erscheinungsformen des Basalzellkarzinoms sind vielfältig. Neben der häufigsten Form mit gelblich-rötlichen knotigen Tumoren, die oft von einem perlschnurartigen Randsaum besetzt sind und an deren Oberfläche kleine Blutgefäße durchschimmern, existieren andere Wachstumsformen, die als rote Flecke (oft am Rumpf) oder als narbige Veränderungen imponieren und oft gar nicht als Tumor erkannt werden. Fortgeschrittene Basalzellkarzinome neigen oft zur Bildung von Geschwüren, die durch Nässen und kleinere Blutungen auffallen.

Plattenepithelkarzinom

Nach dem Basalzellkarzinom ist das Plattenepithelkarzinom (auch Spinaliom oder Stachelzellkarzinom genannt) der zweithäufigste bösartige Hauttumor. In Mitteleuropa treten jedes Jahr etwa 30 bis 40 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner auf. Das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Erscheinungsbild eines Plattenepithelkarzinoms der Haut gleicht im Anfangsstadium oft dem der aktinischen Keratose. Mit zunehmender Erkrankungsdauer wächst der Tumor knotig und weist typische festhaftende Verhornungen auf, die mit dem Finger nicht gelöst werden können bzw. beim Ablösungsversuch zu einer Blutung führen. Plattenepithelkarzinome der Haut entstehen zumeist in chronisch sonnenexponierten Arealen und hier vor allem im Gesicht. Die Tumoren können sich bei fehlender oder unzureichender Behandlung in die angrenzenden Lymphknoten oder sogar in andere Organe ausbreiten und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Das geschieht allerdings nur selten.

Aktinische Keratosen

Unter aktinischen Keratosen werden rötliche, manchmal auch hautfarbene, fest haftende Rauhigkeiten der Hautoberfläche verstanden, die heute in der Regel als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms aufgefasst werden. Neben dem Herausschneiden und dem Herausschaben gibt es eine Vielzahl weiterer anerkannter Therapieverfahren. Zu diesen gehören die Kältetherapie mit flüssigem Stickstoff, die Lasertherapie und die so genannte photodynamischen Therapie (PDT).

 

Schwarzer Hautkrebs

Seltener, aber viel bekannter und gefürchteter als der weiße Hautkrebs ist der schwarze Hautkrebs, das sog. maligne Melanom. Etwa 22.000 Menschen jährlich sind in Deutschland von einem malignen Melanom betroffen. Das Risiko, im Laufe des Lebens ein Melanom zu entwickeln, beträgt in Deutschland etwa 1:500, in Australien bereits 1:50. Besonders oft betroffen sind Menschen im mittleren Lebensalter zwischen 45 und 60 Jahren. Melanome können trotz fehlender Beschwerden und einer relativ geringen Größe bereits frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten sowie anderen Organen bilden. Entscheidend für die Prognose ist eine frühzeitige Entfernung des Tumors.

Ein malignes Melanom muss durch eine Operation vollständig entfernt werden. Die Größe der notwendigen Operation richtet sich nach der feingeweblich bestimmten Dicke des Tumors. Haben sich bereits Tochtergeschwülste in inneren Organen gebildet (z.B. Lunge, Knochen, Leber, Gehirn) können neben der Operation Strahlentherapie und auch Immuntherapien angewendet werden.

In der Regel haben Patienten mit einem malignen Melanom der Haut zum Zeitpunkt der Diagnosestellung keine Beschwerden. Gelegentlich führen Juckreiz oder eine kleine Blutung aus dem Tumor zu einem Arztbesuch.

Maligne Melanome der Haut können sich in ihrem Aussehen sehr voneinander unterscheiden. Meist handelt es sich um dunkle, braune oder schwarze Flecken. Sie können flach, erhaben (über die Hautoberfläche hinaus gehend) oder knotig sein.

 

Ursachen und Risikofaktoren

Bei allen drei Formen geht man von einem Zusammenhang zwischen der Krebsentstehung und UV-Belastung durch Sonnenstrahlen und Solarien aus. Jedes zu ausgiebige Sonnenbad schädigt die Erbsubstanz in den Hautzellen. Zwar ist unsere Reparaturabteilung ständig auf Trab, doch kommt sie nicht immer mit den Korrekturen hinterher. Manchmal bleiben dann Veränderungen (Mutationen) dauerhaft bestehen, häufen sich an – und führen im weiteren Leben zu Krebsgeschwüren.

Beim weißen Hautkrebs scheint eher die regelmäßige Strahlenbelastung eine Rolle zu spielen – deshalb sind auch Körperstellen wie Nase, Stirn und Ohren und oft Menschen betroffen, die ihr Leben viel im Freien verbringen.

Beim schwarzen Hautkrebs ist die genaue Rolle der UV-Strahlenbelastung noch nicht klar. Man vermutet, dass hier eher intensive, kurzzeitige Bestrahlungen schädigen und besonders zu viel Sonne im Kindesalter das Entstehen von Muttermalen und damit die spätere Entwicklung eines Melanoms begünstigt. Dazu kommen allerdings noch weitere Risikofaktoren: heller Hauttyp, genetische Empfindlichkeit, viele und untypische bzw. große Muttermale/Leberflecken.

 

Vorsorge und Früherkennung

Lichtschutz

Die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung sind die Meidung der Sonne in den Stunden der größten Intensität der Strahlung sowie der Schutz durch Kleidung. Der Schutz durch Sonnenschutzmittel ist ebenfalls sinnvoll, hat aber bei Sonnenschutzmitteln mit einem Sonnenschutzfaktor von 30 – 50 (für Sonnenbrand) nur einen Schutzfaktor von 1,5 – 2 für hellen Hautkrebs und keinen nachgewiesenen Schutz vor dem malignen Melanom. Aus diesem Grund sollten vor allem immer Kinder durch Kleidung geschützt werden.

 

Die ABCD-Regel für die Selbstuntersuchung

Die ABCD-Regel hilft Ihnen, bei einem Fleck eine erste Einschätzung vorzunehmen und festzustellen, ob es sich um gutartige oder bösartige Veränderung handelt. Der Fleck wird nach vier verschiedenen Kriterien beurteilt:

A wie Asymmetrie

ungleichmäßige, asymmetrische Form: Ein neuer dunkler Hautfleck ist ungleichmäßig geformt- das heißt nicht gleichmäßig rund, oval oder länglich. Außerdem ist es möglich, dass sich die Form eines bereits vorhandenen Flecks verändert hat.

B wie Begrenzung

verwaschene, gezackte oder unebene und raue Ränder: Ein dunkler Hautfleck hat verwischte Konturen oder wächst ausgefranst in den gesunden Hautbereich.

C wie Colour (Farbe)

unterschiedliche Färbungen, hellere und dunklere Flecken in einem Mal: Achten Sie auf einen Fleck, der nicht gleichmäßig in der Farbe, sondern vermischt ist mit Rosa, Grau oder schwarzen Punkten. Er weist auf ein malignes Melanom hin und sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Dasselbe gilt für krustige Auflagen.

D wie Durchmesser

Durchmesser ist an der breitesten Stelle größer als fünf Millimeter: Pigmentmale, die größer als fünf mm im Durchmesser sind oder eine Halbkugelform haben, sollten kontrolliert werden.

D wie Durchmesser

 

Das Hautkrebsscreening

Im Laufe der Jahre verändert sich die Haut ständig. Sie produziert immer wieder neue Muttermale, Pigmentflecken, Warzen u.a. Deswegen ist es wichtig, sie regelmäßig zu kontrollieren und zu untersuchen. Ich empfehle das Hautkrebsscreening einmal jährlich und bei Menschen mit mehr als 100 Muttermalen oder die an Hautkrebs erkrankt sind sogar zweimal jährlich durchzuführen.

Alle gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr haben alle 2 Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs, das sog. "Hautkrebsscreening". Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten auch bei jüngeren Patienten und sogar bei Kindern (z.B. Knappschaft, Barmer GEK). Bei Privatpatienten wird das Hauskrebsscreening jährlich oder öfter übernommen.

Im Hautkrebs-Screening wird gezielt nach den drei Hautkrebserkrankungen Basalzellkrebs, spinozelluläres Karzinom und malignes Melanom gesucht. Ziel des Screenings ist es, die Heilungschancen zu erhöhen, die Lebensqualität zu verbessern sowie die Zahl der Hautkrebserkrankungen zu verringern. Dafür ist langfristige und intensive Aufklärung nötig. Früh erkannt ist Hautkrebs zu nahezu 100 Prozent heilbar. Je mehr Personen am Hautkrebs-Screening teilnehmen, desto mehr bösartige Veränderungen der Haut können früh entdeckt werden.

 

Sie haben Fragen zur Hautkrebsvorsorge? Dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail. Wir beraten Sie gerne!

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